Ein Kollege bringt uns aus Usbekistan eine Dose Sarbast Special und eine Tüte steinharter Kurut-Kugeln mit. Das eine sollen wir trinken, das andere unbedingt dazu essen. Am Ende entdecken wir nicht nur eine für uns völlig neue Kombination, sondern vergeben für das usbekische Lager auch noch zweimal neun Punkte.
Ein Urlaubsmitbringsel aus Usbekistan
Urlaubsmitbringsel sind eine schöne Sache. Vor allem dann, wenn sie flüssig sind. Unser Kollege Konstantin war in Usbekistan und hatte vor seiner Rückreise eine ziemlich konkrete Aufgabe: Bring uns Bier mit. Er hat es sich allerdings nicht einfach gemacht und irgendeine Dose aus dem Supermarkt genommen. Stattdessen hat er vor Ort gefragt, welches Bier er zwei Menschen mitbringen sollte, die sich etwas intensiver mit Bier beschäftigen.
Die Empfehlung lautete: Sarbast.
Genauer gesagt haben wir eine Dose vor uns, auf der wir zumindest ein paar Dinge lesen können: Special. Double Hop. Limited Edition. 5 %. Der Rest stellt unsere Usbekisch-Kenntnisse vor gewisse Herausforderungen.
Was trinken wir da eigentlich?
Das klären wir während der Verkostung zunächst nur teilweise. Inzwischen lässt es sich genauer einordnen. Das Bier ist das Sarbast Special von UzCarlsberg aus Taschkent. UzCarlsberg führt das Sarbast Special offiziell als Lager mit 5,0 % vol. Alkohol und 11,6 % Stammwürze. Sarbast selbst entstand 2007 als lokale Biermarke; die Brauerei in Taschkent wurde im selben Jahr eröffnet. Auch das „Double Hop“ auf der Dose hat einen konkreten Hintergrund. Bereits bei der Einführung des Sarbast Special wurde das Bier als mit zwei unterschiedlichen Hopfensorten gebraut beschrieben. Damit wissen wir schon einmal deutlich mehr als während des Drehs. Aber eigentlich zählt ohnehin nur eine Frage:
Wie schmeckt es?
Oh. Das ist lecker.
Manchmal brauchen wir für den ersten Eindruck mehrere Minuten. Diesmal nicht. Der erste Schluck sitzt.
„Oh, super. Lecker!“
Das Sarbast ist angenehm süffig, leicht fruchtig und überraschend süßlich. Gerade diese Süße fällt uns unmittelbar auf. Gleichzeitig wirkt das Bier keineswegs schwer. Die Kohlensäure hält sich eher zurück und das gesamte Trinkgefühl ist ausgesprochen weich. Fast ein bisschen in Richtung Kölsch – zumindest was die unkomplizierte Trinkbarkeit angeht. Natürlich ist Sarbast kein Kölsch. Offiziell wird das Special als Lager geführt und als solches funktioniert es für uns ausgesprochen gut.
Kein Craft Beer. Muss es auch nicht sein.
Das Sarbast versucht nicht, uns mit zehn Hopfensorten, 80 IBU und einer Zutatenliste zu beeindrucken, die man erst googeln muss. Es ist ein zugängliches Lager. Klar, goldfarben, weich, leicht süßlich und enorm süffig. „Wenn das in Usbekistan das Bier ist, was man da so hat, könnten wir beiden da gut mal hinfahren.“ Das ist ziemlich genau die Kategorie Bier, bei der man nach dem ersten Glas beziehungsweise in unserem Fall nach der ersten Dose problemlos ein zweites nehmen würde. Was zu einem kleinen Problem führt: Konstantin hat nur eine mitgebracht.
Offenbar sind wir mit unserer Meinung nicht allein
Während des Drehs erinnern wir uns dunkel daran, dass Sarbast irgendeinen Bierpreis gewonnen haben soll. Die Erinnerung war richtig. Das Sarbast Special wurde bei den World Beer Awards 2025 als Country Winner für Usbekistan in der Kategorie International Lager ausgezeichnet. Die Jury beschreibt ein klares, hellgoldenes Bier mit leichter Getreidesüße, dezenter Zitrusnote, leichter Bitterkeit und einem sauberen, ausgewogenen Finish. Interessant ist die Übereinstimmung mit unserer Verkostung vor allem bei der Süße und der unkomplizierten Trinkbarkeit. Wir kannten diese Beschreibung beim Dreh nicht.
Und dann liegt da noch Kurut
Konstantin hat uns allerdings nicht nur Bier mitgebracht. Er hat auch eine Anweisung hinterlassen: Wenn ihr dieses Bier trinkt, müsst ihr die Dinger dazu essen. Die „Dinger“ sind Kurut. Vor uns liegen kleine, nahezu steinharte Kugeln aus einem fermentierten Milchprodukt mit ordentlich Salz. Und die sehen für unsere angelerprobten Augen zunächst verdächtig nach Angelköder aus. Das Vertrauen ist überschaubar. Trotzdem probieren wir.
Käse. Sehr harter Käse.
Der erste Eindruck ist ziemlich eindeutig, Käse. Fermentierte Milch, Salz. Viel Salz. Und vor allem eine Konsistenz, bei der wir zunächst nicht wissen, ob man Kurut wirklich kauen soll. „Es erinnert heftig an vergorene Milch.“ Irgendwann landen wir bei einem Vergleich mit Parmesan. Das trifft zumindest unsere Wahrnehmung erstaunlich gut: hart, salzig, intensiv und deutlich käsig. Thomas würde das Zeug spontan lieber über Nudeln reiben. Dann trinken wir wieder Sarbast und plötzlich ergibt die Kombination mehr Sinn.
Kurut plus Bier funktioniert tatsächlich
Für sich allein löst Kurut bei uns keine Begeisterungsstürme aus. Zusammen mit dem Bier sieht die Sache interessanter aus. Die intensive Salzigkeit und das fermentierte Milcharoma werden durch das weiche, leicht süßliche Lager abgefangen. „Mit dem Bier zusammen passt das wieder.“ Vielleicht hätten wir einfach früher auf Konstantin hören sollen. Trotzdem bleibt Kurut für uns die deutlich größere Herausforderung dieses Tastings. Das Sarbast dagegen ist längst durch.
Zweimal neun Punkte
Bei der Bewertung passiert etwas, das bei uns gar nicht so häufig vorkommt. Wir sind uns einig. Thomas mag genau diese Art von Bier: unkompliziert, süffig und trotzdem mit genug eigenem Charakter. 9 von 10 Punkten. Alex geht mit. Auch bei ihm: 9 von 10 Punkten.
Damit bekommt das Sarbast Special von uns eine Gesamtwertung von 9/10. Und ja: Wir hätten gerne noch eine zweite Dose gehabt.
Unser Fazit
Das Sarbast Special ist ein gutes Beispiel dafür, warum wir Bier aus anderen Ländern spannend finden. Nicht, weil jedes internationale Bier zwangsläufig exotisch schmecken muss, ganz im Gegenteil. Hier bekommen wir zunächst ein relativ klassisches Lager. Aber eines, das uns durch seine weiche, süffige Art und die leichte Süße sofort überzeugt. 5 % Alkohol, 11,6 °P, Double Hop – auf dem Papier klingt das relativ unspektakulär. Im Glas funktioniert es für uns hervorragend. Und dann ist da noch Kurut. Ob wir davon zukünftig einen Vorrat neben den Chips anlegen, darf bezweifelt werden. Aber die Kombination mit dem Bier ergibt deutlich mehr Sinn als das kleine steinharte Ding alleine. Vor allem hat diese Folge bei uns eines ausgelöst: Wir wollen mehr Bier aus dieser Region kennenlernen.
Usbekistan, Kasachstan und andere Länder Zentralasiens tauchen in unserem üblichen Bierregal praktisch nicht auf.
Welche Biere von dort sollten wir unbedingt noch probieren?
Unsere Bewertung
Alex: 9/10
Thomas: 9/10
TBONTB-Gesamtwertung: 9/10
Fakten zum Sarbast Special
Bier: Sarbast Special
Brauerei: UzCarlsberg LLC
Herkunft: Taschkent, Usbekistan
Bierstil: Lager / International Lager
Alkohol: 5,0 % vol.
Stammwürze: 11,6 °P
Gebinde unserer Verkostung: 0,45-l-Dose
Kennzeichnung: Double Hop
Marke Sarbast: seit 2007
Auszeichnung: Country Winner Uzbekistan, International Lager, World Beer Awards 2025
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