Kann ein Merch-Bier mehr als Marketing?
Ein Radiosender bringt sein eigenes Bier heraus – und entscheidet sich ausgerechnet für ein kaltgehopftes Pale Ale. Der Crowd Surfer von RADIO 21 und Hopfenfänger verspricht Grapefruit, Stachelbeere und Litschi statt gewöhnlichem Festival-Pils. Wir testen zu dritt, ob hinter der auffälligen Dose tatsächlich ein gutes Bier steckt.
Ein Bier zum Crowdsurfen?
Bevor wir über Bier sprechen, müssen wir zunächst eine andere Frage klären: Wer von uns hat sich zuletzt von einem Publikum vor einer Bühne durch die Gegend tragen lassen? Die Bilanz ist überschaubar. Das mit dem Crowdsurfen überlassen wir inzwischen besser anderen. Beim Crowd Surfer von RADIO 21 sieht die Sache anders aus. Sebastian hat das Bier mitgebracht er hört regelmäßig RADIO 21, ist dort auf das Crowd Surfer gestoßen und wollte wissen, ob das Bier der Morning-Rockshow mehr ist als ein gut gestaltetes Merch-Produkt. Das wollen wir auch wissen. Also stehen diesmal Alex, Thomas und Sebastian gemeinsam am Tisch.
Eggers, Engelhardt und ein Bier
Hinter dem Crowd Surfer stehen RADIO 21, die beiden Moderatoren Eggers und der Engelhardt aus der Morning-Rockshow und die Bremer Braumanufaktur beziehungsweise Hopfenfänger. RADIO 21 bezeichnet den Crowd Surfer selbst als Bier der Morning-Rockshow. Gebraut wird in Bremen bei Hopfenfänger. Das allein wäre noch nicht besonders ungewöhnlich. Bands haben Bier. Festivals haben Bier. Unternehmen haben Bier. Radiosender können also ebenfalls Bier haben. Interessant wird es bei der Wahl des Bierstils.
Ausgerechnet ein Pale Ale
Wer ein Bier für Rockfans, Konzerte und Festivals entwickelt, hätte einen ziemlich sicheren Weg wählen können: Pils. Möglichst unkompliziert, möglichst massentauglich und bloß niemanden mit zu viel Geschmack verschrecken. Crowd Surfer geht einen anderen Weg. Das Bier ist ein kaltgehopftes, obergäriges Pale Ale mit 5,1 % vol. Alkohol. Hopfenfänger beschreibt es als bernsteinhell, fruchtig-zitrisch und ausgewogen herb. Finden wir durchaus mutig. Denn damit akzeptiert man automatisch, dass nicht jeder klassische Festivalbiertrinker begeistert sein wird. „Ein Pale Ale in diese Region zu verorten, finde ich mutig.“ Deshalb interessiert uns das Bier.
Schon die Dose macht neugierig
Bevor überhaupt probiert wird, beschäftigt uns die Verpackung. Die Gestaltung passt zur Rock- und Festivalwelt, noch interessanter finden wir allerdings die Oberfläche des Labels. Die Dose fühlt sich ungewöhnlich griffig an. Das klingt nach einer vollkommen nebensächlichen Beobachtung – ist es eigentlich auch. Aber wenn drei Menschen bei einer Bierverkostung plötzlich darüber sprechen, wie angenehm sich eine Dose anfühlt, hat die Verpackung zumindest etwas richtig gemacht. Und wir entdecken noch einen Hinweis: Das Bier soll ins Glas. Machen wir.
Bernsteinfarben und ziemlich aromatisch
Im Glas zeigt sich der Crowd Surfer hell bernsteinfarben und klar. Beim Schaum sind unsere Ergebnisse unterschiedlich erfolgreich. Wesentlich eindeutiger ist der Geruch, denn da passiert sofort etwas. „Das ist was für die Nase.“ Frucht ist unmittelbar präsent und man landet während der Verkostung spontan bei Ananas. Die offizielle Beschreibung nennt dagegen Grapefruit, Stachelbeere und Litschi sowie frische Zitrusnoten und helles Karamellmalz. Das widerspricht unserer Wahrnehmung nicht unbedingt, denn Aromabeschreibungen sind keine exakte Messung und unterschiedliche Menschen verbinden dieselben Aromastoffe mit unterschiedlichen Früchten. Entscheidend ist für uns etwas anderes: Das Bier riecht deutlich nach mehr als gewöhnlichem Festival-Pils.
Und wie schmeckt der Crowd Surfer?
Fruchtig. Hopfig. Herb. - Aber nicht übertrieben.
Der Crowd Surfer besitzt genug Charakter, um als Pale Ale klar erkennbar zu sein, bleibt gleichzeitig aber ausgesprochen zugänglich. Das ist für den Einsatzzweck entscheidend. Ein Festivalbier, das nur eingefleischte Craft-Beer-Fans begeistert, wäre konzeptionell schwierig. Ein völlig beliebiges Bier mit einem Radio-21-Etikett wäre dagegen langweilig, der Crowd Surfer sitzt ziemlich genau dazwischen.
„Da ist richtig was los. Ich find's super.“
Wir bekommen Fruchtigkeit und eine erkennbare Hopfenaromatik, ohne dass das Bier in extreme Bitterkeit oder eine überladene Aromatik kippt.
Würden wir das auf einem Festival trinken?
Eindeutig. Man formuliert im Video einen ziemlich unfairen Vergleich mit einem gewöhnlichen Billigbier – aber der Punkt dahinter stimmt: Wenn auf einem Festival neben einem Standard-Pils auch der Crowd Surfer angeboten würde, wäre unsere Wahl klar. Das Pale Ale bringt schlicht mehr Geschmack ins Glas. Gleichzeitig ist es unkompliziert genug, um nicht nach jedem Schluck analysiert werden zu müssen. Das ist auf einem Festival wahrscheinlich wichtiger als die Frage, ob wir noch die dritte Hopfensorte identifizieren können.
Dann kommt der Preis
Hier werden wir skeptisch. Merch-Produkte besitzen schließlich eine bemerkenswerte Fähigkeit: Sobald ein bekanntes Logo darauf gedruckt wird, steigt gelegentlich der Preis. Sebastian erinnert sich während der Verkostung an ungefähr 1,50 Euro. Das war erstaunlich nah dran.
Aktuell kostet eine 0,33-Liter-Dose im Shop von Hopfenfänger 1,70 Euro beziehungsweise 5,15 Euro pro Liter.
Für ein kaltgehopftes Pale Ale ist das aus unserer Sicht ein ausgesprochen interessanter Preis. Vor allem verändert er die Einordnung des Produkts. Der Crowd Surfer ist nicht nur ein Fanartikel, den man sich einmal wegen RADIO 21 kauft und anschließend ins Regal stellt. Zu diesem Preis kann man das Bier tatsächlich einfach trinken. Verrücktes Konzept für ein Bier.
Wer steckt hinter dem Bier?
Gebraut wird der Crowd Surfer von Hopfenfänger in Bremen, einer Marke der Bremer Braumanufaktur. Die Brauerei sitzt auf der Bremer Überseeinsel und bietet neben ihren eigenen Bieren auch Brauereiführungen, Brauseminare und die Entwicklung beziehungsweise Produktion individueller Biere an. Auch die Bremer Bierbrautage sind eng mit Hopfenfänger und RADIO 21 verbunden. Passt zum Crowd Surfer. Hier wurde nicht lediglich ein bestehendes Industriebier mit einem neuen Etikett versehen. Hinter dem Produkt steht eine tatsächliche Bremer Brauerei mit eigenem Craft-Beer-Hintergrund.
Sebastian legt vor
Dann kommen wir zur Bewertung. Sebastian hat das Bier mitgebracht – und der Crowd Surfer trifft ziemlich genau seinen Geschmack. Fruchtigkeit, Hopfen und das gesamte Konzept funktionieren für ihn. Seine Wertung: 8,5 von 10 Punkten. Nicht, weil der Crowd Surfer geschmacklich etwas völlig Neues erfindet. Sondern weil er das, was er sein will, ziemlich überzeugend macht.
Thomas bleibt bei acht
Thomas sieht es ähnlich. Gerade die Entscheidung, aus einem vermeintlichen Festival- und Merch-Bier ein Pale Ale zu machen, gefällt ihm. Dazu kommt der Preis. Das Ergebnis: 8 von 10 Punkten. Und das ausdrücklich nicht nur für Marketing und Konzept. Auch geschmacklich funktioniert das Bier für ihn.
Alex ist kritischer
Alex hat inzwischen einiges an Pale Ales und IPAs im Glas gehabt. Und genau das wird dem Crowd Surfer bei ihm ein wenig zum Verhängnis. Er findet das Bier gut, vermisst aber den Punkt, der es geschmacklich aus der inzwischen großen Menge ähnlicher Biere deutlich heraushebt. Seine Bewertung: 7 von 10 Punkten. Das ist keine schlechte Wertung. Es ist vielmehr die nüchternste Einordnung unserer Runde: gutes Pale Ale, aber für Alex kein Bier, das er blind aus einer Reihe vergleichbarer Vertreter wiedererkennen würde.
Unser Fazit
Ein Merch-Bier hat ein grundsätzliches Problem: es verkauft sich zunächst über die Marke. Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass das Produkt dahinter zweitrangig ist. Beim Crowd Surfer funktioniert diese Kritik nur bedingt. Natürlich lebt die Dose von RADIO 21, Eggers und Engelhardt, Rockmusik und Festivalästhetik. Aber dahinter steckt ein richtiges Pale Ale, das auch ohne Radiosender auf dem Etikett funktioniert. Es ist fruchtig, hopfig, zugänglich und mit aktuell 1,70 Euro erstaunlich fair bepreist. Unsere drei Bewertungen ergeben einen Durchschnitt von rund 7,8 Punkten. Für uns ist damit die interessantere Frage nicht mehr, ob Merch-Bier funktionieren kann. Sondern: Welche anderen Merch-Biere sind tatsächlich gut? Bands, Radiosender, Festivals oder Unternehmen – wenn ihr Kandidaten kennt, schreibt sie uns. Wir opfern uns :-)
Unsere Bewertung
Sebastian: 8,5/10
Thomas: 8/10
Alex: 7/10
TBONTB-Durchschnitt: 7,8/10
Fakten zum RADIO 21 Crowd Surfer
Bier: Crowd Surfer
Marke: RADIO 21 / Morning-Rockshow
Moderatoren: Eggers und der Engelhardt
Brauerei: Hopfenfänger / Bremer Braumanufaktur, Bremen
Bierstil: kaltgehopftes Pale Ale, obergärig
Alkohol: 5,1 % vol.
Gebinde: 0,33-l-Dose
Farbe: bernsteinhell und klar
Aromabeschreibung des Herstellers: Grapefruit, Stachelbeere, Litschi, Zitrus und helles Karamellmalz
Geschmack laut Hersteller: milder Antrunk, leichte Malznote, ausgewogene Herbe
Preis bei unserer Recherche: 1,70 Euro pro Dose
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