Barre Edition 12 Galaxy Sticke im Test: Dunkel wie die Nacht, überraschend frisch im Geschmack. Der Biertest

Zurück in der Heimat – auf dem Weg in eine andere Galaxie

Der Sommer verabschiedet sich, draußen ist es kalt und regnerisch geworden. Also sitzen wir wieder drinnen und widmen uns einem Bier, das ziemlich gut zur dunkleren Jahreszeit passt. Zumindest optisch. Die Privatbrauerei Barre aus Lübbecke hat ihre zwölfte limitierte Edition herausgebracht. Sie trägt den Namen Galaxy Sticke. Und wir haben das Glück, dass Max uns eine Flasche direkt aus dem Umfeld der Brauerei mitgebracht hat. Dafür zunächst einmal vielen Dank!

Wir kennen die Barre Editionen inzwischen und sind jedes Mal gespannt, was sich die Brauerei als Nächstes einfallen lässt. Denn hier geht es nicht einfach darum, das bekannte Standardbier in eine andere Flasche zu füllen. Die Editionen bieten Raum für andere Bierstile und neue Geschmackserlebnisse.

Schon die Flasche macht Eindruck

Die Barre Editionen besitzen eine ziemlich eindeutige Handschrift. Auch Galaxy steckt wieder in einer auffällig gestalteten Tonflasche mit Bügelverschluss. Diesmal ist die Flasche ausgesprochen dunkel gehalten. Dazu kommen ein moderner Schriftzug und ein Astronaut, der passend zum Namen die Gestaltung prägt. Das sieht hochwertig aus. Allerdings stehen wir zunächst vor einem unerwarteten Problem: Wir bekommen die Flasche nicht auf. Der Grund ist eine zusätzliche Versiegelung am Bügelverschluss.Die Flaschen werden die Editionen von Hand abgefüllt und die Versiegelungen werden in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe in Lübbecke angebracht. Eine Kooperation, die uns bereits bei der vorherigen Edition gefallen hat. Mit einer Schere ist das Problem schließlich gelöst. Und wir können uns endlich um den Inhalt kümmern.

Kastanienbraun und fast ein bisschen einschüchternd

Beim Einschenken zeigt sich sofort, dass Galaxy kein gewöhnliches helles Bier ist. Die Farbe ist tiefdunkel, fast kastanienbraun. Dazu bildet sich eine schöne Schaumkrone.

Unser erster Gedanke: Das könnte ziemlich schwer werden. Dunkle Biere wecken schließlich schnell Erwartungen an intensive Malzaromen, viel Süße und einen eher kräftigen Körper. Beim Riechen fällt uns allerdings schon etwas auf, das nicht ganz zu dieser Erwartung passt. Da ist mehr Frucht, als wir vermutet hätten. Und möglicherweise auch ein Hauch Kaffee.

Der erste Schluck überrascht uns

Dann probieren wir. Und sind uns ziemlich schnell einig. „Das ist frischer, als ich es erwartet habe.“ Galaxy sieht aus wie ein schweres dunkles Bier, schmeckt aber überraschend frisch. Die Malzaromen sind vorhanden, dominieren jedoch nicht das gesamte Geschmackserlebnis. Stattdessen bekommen wir eine angenehme Fruchtigkeit, feine Röstaromen und eine bemerkenswerte Süffigkeit. „Es ist eher erfrischend, sogar noch fruchtig.“ Wir hätten bei dieser Farbe wirklich mit etwas anderem gerechnet. Und deshalb macht uns Galaxy so viel Spaß.

Was ist eigentlich eine Sticke?

Die Barre Edition Galaxy wird als Sticke bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen traditionellen Bierstil, der eng mit dem Altbier verbunden ist. Sticke-Biere werden üblicherweise kräftiger eingebraut als ein normales Altbier. Historisch handelt es sich um besondere, häufig etwas stärkere Biere, die nicht zum alltäglichen Standardsortiment gehörten. Während unserer Verkostung sprechen wir auch über die Herkunft des Namens und seine Verbindung zum plattdeutschen Ausdruck für „heimlich“. Die Galaxy Edition bringt 5,6 % Alkohol mit. Damit liegt sie zwar über vielen gewöhnlichen Pilsbieren, wirkt geschmacklich aber keineswegs besonders schwer.

Röstaromen, Kaffee und geröstetes Brot

Irgendwann beschäftigen wir uns genauer mit der Beschreibung auf der Flasche. Dort werden unter anderem frisch geröstetes Brot, feine Zartbitterschokolade und ein Hauch Kaffee genannt. Den Kaffee hatten wir bereits beim Riechen vermutet. Beim Brot müssen wir etwas länger überlegen. Gemeint ist für uns weniger der typische Duft einer Bäckerei als vielmehr eine leicht hefige, brotige Aromatik. Auch die Röstaromen sind nachvollziehbar. Sie bleiben allerdings angenehm zurückhaltend. Das Bier besitzt Malzsüße, ist aber keineswegs übermäßig süß. Ebenso wenig wird es von einer kräftigen Bitterkeit dominiert. Für uns entsteht dadurch ein sehr ausgewogenes Gesamtbild.

Galaxy und Spalter: Der Hopfen macht den Unterschied

Interessant wird es auch beim Blick auf die Hopfensorten. Während der Verkostung entdecken wir auf der Flasche die Angaben Galaxy und Spalter. Galaxy ist eine Hopfensorte, die häufig mit ausgeprägten fruchtigen Aromen verbunden wird. Spalter steht dagegen traditionell eher für eine feinere, würzige Hopfencharakteristik. Ob und in welchem Umfang die einzelnen Aromen unseres Bieres tatsächlich von diesen Hopfensorten stammen, können wir beim Probieren natürlich nicht eindeutig bestimmen. Aber die Kombination passt zu unserem Eindruck. Gerade die fruchtige Seite macht diese dunkle Sticke für uns ungewöhnlich. Zeitweise überlegen wir sogar, ob das Bier geschmacklich ein wenig in Richtung eines sehr zurückhaltenden IPAs geht. Nicht wegen extremer Bitterkeit, sondern wegen der frischen Hopfenaromatik.

Wie schlägt sich Galaxy gegen Monroe?

Natürlich kommen wir nicht um einen Vergleich mit der vorherigen Barre Edition herum. Die pink gestaltete Edition Monroe hatte uns ausgesprochen begeistert. Gerade die Tatsache, dass eine traditionsreiche Brauerei wie Barre geschmacklich einen ganz anderen Weg eingeschlagen hatte, war damals eine positive Überraschung. Bei Galaxy wissen wir inzwischen, dass Barre solche Experimente kann. Der Überraschungseffekt ist also ein anderer und geschmacklich gibt es ebenfalls Unterschiede. Thomas findet Monroe persönlich noch ein wenig passender zum eigenen Geschmack. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Galaxy schlechter gemacht wäre. Es ist schlicht ein anderer Bierstil mit einer anderen Ausrichtung. Solche Abwechslung wünschen wir uns von einer Editionsreihe. Toll gemacht, Barre!

Ein Bier für den Herbst – oder doch für den Sommer?

Auf den ersten Blick passt Galaxy perfekt in die dunklere Jahreszeit. Eine tiefbraune Sticke, feine Röstaromen und eine schöne Tonflasche: Das klingt nach Herbst, Winter und gemütlichen Abenden. Nach dem Probieren sind wir uns da allerdings nicht mehr so sicher. Denn durch seine Frische und die fruchtigen Eindrücke könnten wir uns Galaxy durchaus auch im Sommer vorstellen. Es ist kein schweres Bier, von dem man nach einem Glas genug hat. Im Gegenteil: wir schenken uns während der Folge nach und hätten durchaus Lust auf mehr.

Auch als Geschenk eine gute Idee

Ein weiterer Punkt spricht für die Galaxy Edition. Sie ist ungewöhnlich, ohne geschmacklich völlig aus dem Rahmen zu fallen. Wir können uns deshalb gut vorstellen, eine Flasche an Menschen zu verschenken, die gerne Bier trinken, aber nicht unbedingt tief in der Craft-Beer-Welt stecken. Gerade die hochwertige Flasche trägt dazu bei. Zusammen mit dem besonderen Bierstil ergibt sich ein schönes Geschenk für Bierliebhaber und das nicht nur zu Weihnachten.

Wie würde Galaxy vom Fass schmecken?

Während der Verkostung entsteht noch eine andere Idee. Was wäre eigentlich, wenn Barre diese Sticke einmal frisch vom Fass anbieten würde? Wir könnten uns das ziemlich gut vorstellen. Vielleicht auf einer Veranstaltung, in passenden Tonkrügen und mit ausreichend Zeit, um das Bier zu genießen. Ob es solche Pläne tatsächlich gibt, wissen wir nicht. Aber vorstellen könnten wir uns das.

Unsere Bewertung: Wieder ein richtig starkes Ergebnis

Alex bleibt bei der Höchstwertung:10 von 10 Punkten. Thomas sieht Galaxy knapp darunter, weil die vorherige Monroe Edition den persönlichen Geschmack noch etwas genauer getroffen hat. 9 von 10 Punkten.

Das ergibt eine TBONTB-Gesamtwertung von 9,5 von 10 Punkten.

Ein beeindruckendes Ergebnis.

Und ein weiterer Beleg dafür, dass wir uns auf die nächsten Barre Editionen freuen können.

Unser Fazit: Barre kann auch dunkel und fruchtig

Die Barre Edition 12 Galaxy ist für uns eine ausgesprochen gelungene Interpretation einer Sticke. Optisch wirkt sie kräftig und schwer. Geschmacklich überrascht sie dagegen mit einer bemerkenswerten Frische. Die dunklen Malzaromen, feinen Röstaromen und fruchtigen Hopfennoten ergänzen sich zu einem Bier, das viel Charakter besitzt, ohne anstrengend zu werden. Dazu kommen eine hochwertige Flasche, die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe und der Mut einer traditionsreichen Brauerei, immer wieder neue Bierstile auszuprobieren. Das verdient Anerkennung. Und natürlich haben wir bereits einen Wunsch für die nächste Edition. Ein Double IPA. Vielleicht hört bei Barre ja jemand zu.

Unsere Bewertung

Alex: 10/10
Thomas: 9/10

TBONTB-Gesamtwertung: 9,5/10

Fakten zur Barre Edition Galaxy

Bier: Barre Edition 12 „Galaxy“ Sticke
Brauerei: Privatbrauerei Barre, Lübbecke
Bierstil: Sticke / traditionell stärker eingebrauter Altbierstil
Alkohol: 5,6 % vol.
Flaschengröße: 0,75 Liter 
Hopfensorten laut Flasche: Galaxy und Spalter
Farbe: Tiefdunkles Kastanienbraun
Aromabeschreibung auf der Flasche: Frisch geröstetes Brot, Zartbitterschokolade und ein Hauch Kaffee
Unsere Geschmackseindrücke: Fruchtig, erfrischend, leicht röstig, weich und süffig
Verpackung: Limitierte Tonflasche mit Bügelverschluss und zusätzlicher Versiegelung

Gesamtwertung: 9,5/10

 

 

 

 

 

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