Steam Brew: Steampunk trifft Discounter
Dampfmaschinen, Zahnräder, viktorianischer Look und ziemlich schräge Charaktere: Wer die Steam-Brew-Dosen im Lidl-Regal sieht, dürfte zumindest kurz hängen bleiben. Die gesamte Serie setzt auf eine Steampunk-Welt und erzählt rund um ihre unterschiedlichen Biere und Figuren eine eigene Geschichte. Das ist ungewöhnlich für ein Bier aus dem Discounter und funktioniert zumindest optisch erstaunlich gut. Darin liegt aber auch die Gefahr: Ein starkes Design erzeugt Erwartungen. Am Ende interessiert uns deshalb nicht, wie aufwendig die Geschichte rund um das Bier erzählt wird, sondern was tatsächlich im Glas landet.
Was ist ein Imperial IPA?
Ein Imperial IPA beziehungsweise Double IPA ist grundsätzlich die kräftigere Variante eines klassischen India Pale Ale. Mehr Alkohol, ein kräftigerer Körper und eine deutlich wahrnehmbare Hopfung gehören typischerweise zu diesem Bierstil. Beim Steam Brew stehen 7,8 % vol. auf der Dose. Dazu kommen 45 IBU. Gerade für Biertrinker, die ausgeprägte Bitterkeit nicht gewohnt sind, ist das bereits eine deutliche Ansage. Unsere Erwartung war entsprechend klar: Wir rechneten mit einem kräftigen Bier, aber auch mit einer ausgeprägten Fruchtigkeit. Aber hier überraschte uns das Steam Brew.
Farbe und Geruch
Im Glas zeigt sich das Imperial IPA dunkel und deutlich bernsteinfarben. Die Schaumkrone entwickelt sich ordentlich und bleibt schön stehen. In der Nase ist der Hopfen wahrnehmbar, ohne dass uns sofort eine massive Fruchtaromatik entgegenschlägt. Das hatten wir bei einem Imperial IPA zunächst stärker erwartet. Oder wie wir es während der Verkostung formuliert haben: „Es ist jetzt nicht so, dass man glaubt, man wäre mit einem Fruchtsalat erschlagen.“ Das ist zunächst weder positiv noch negativ. Es zeigt aber bereits, in welche Richtung dieses Bier geht.
Weniger Frucht, mehr Bitterkeit
Beim ersten Schluck wird die Ausrichtung noch deutlicher. Das Steam Brew Imperial IPA ist herb und bitter. Gleichzeitig nehmen wir eine leichte Assoziation in Richtung Honig wahr. Was dagegen deutlich weniger ausgeprägt ist als erwartet, ist die Fruchtigkeit. Gerade Thomas stört dieses Verhältnis. Die Bitterkeit steht für seinen Geschmack zu stark im Vordergrund, während die fruchtigen Komponenten nicht genügend dagegenhalten. Alex kommt mit dieser Charakteristik wesentlich besser zurecht. Das Interessante daran: Wir sind uns beim Bier selbst gar nicht so uneinig. Der Unterschied liegt vielmehr darin, welche Eigenschaften wir von einem Imperial IPA erwarten und bevorzugen. Thomas bringt es im Test auf den Punkt: „Für mich persönlich ist das zu viel Hopfen.“ Dabei bedeutet „zu viel“ nicht, dass das Bier handwerklich grundsätzlich misslungen wirkt. Es trifft schlicht seinen persönlichen Geschmack weniger gut.
Kein klassisches Sommerbier
Mit 7,8 % vol. und der deutlichen Bitterkeit ist das Steam Brew Imperial IPA für uns kein Bier, von dem wir an einem heißen Sommertag mehrere Gläser trinken möchten. Dafür ist es zu kräftig. Wir sehen es eher als Bier zum bewussten Genießen. Alex würde es sogar eher in die dunklere Jahreszeit einordnen. Dazu passt auch, dass Lidl laut Dose unter anderem kräftigere Speisen als Begleitung empfiehlt. Ein Imperial IPA muss schließlich kein Durstlöscher sein. Und spätestens nach einem großen Glas sollte man die 7,8 % Alkohol auch nicht vergessen.
Würden wir erkennen, dass dieses Bier vom Discounter kommt?
Das ist wahrscheinlich die spannendste Frage dieses Tests. Unsere Einschätzung ist ziemlich eindeutig: Stellt man das Steam Brew Imperial IPA ohne Dose in einem neutralen Glas auf den Tisch, würden vermutlich nur wenige spontan auf ein ausgesprochen günstiges Discounterbier tippen. Das macht das Bier interessant.
„Wenn du das in einem Glas servierst, wird nie einer drauf kommen, dass es ein Discounterbier ist.“
Natürlich verändert ein niedriger Preis nicht automatisch die geschmackliche Bewertung. Ein schlechtes Bier wird nicht gut, nur weil es billig ist. Umgekehrt wird ein günstiges Bier aber auch nicht schlechter, nur weil es aus dem Discounter stammt. Das Steam Brew Imperial IPA zeigt ziemlich deutlich, warum man sich von solchen Vorurteilen lösen sollte.
Auffälliges Marketing – aber das Bier funktioniert auch ohne Dose
Das Steampunk-Konzept trägt ohne Frage dazu bei, dass Steam Brew aus dem üblichen Bierregal heraussticht. Unterschiedliche Charaktere, Geschichten und die aufwendig gestalteten Dosen schaffen eine Markenwelt, die weit über eine klassische Discounter-Eigenmarke hinausgeht. Nur darf man Marketing und Bierqualität nicht miteinander verwechseln. Deshalb ist für uns eine andere Erkenntnis wichtiger: Auch wenn die Dose verschwunden ist und nur noch das Bier im Glas steht, bleibt ein kräftiges und eigenständiges Imperial IPA übrig. Das Design verkauft möglicherweise den ersten Kauf. Der Inhalt entscheidet über den zweiten.
Unsere Bewertung des Steam Brew Imperial IPA
Alex: 8 von 10 Punkten
Alex kann mit dem kräftigen und herben Charakter deutlich mehr anfangen. In Verbindung mit dem Preis ist das für ihn ein überraschend starkes Gesamtpaket.
Thomas: 6 von 10 Punkten
Thomas fehlt die erwartete Fruchtigkeit. Ihm steht die Bitterkeit im Verhältnis dazu zu stark im Vordergrund. Trotzdem bewertet auch er das Bier nicht als schlecht – es trifft lediglich seinen persönlichen Geschmack deutlich weniger.
Damit landen wir bei einem Durchschnitt von 7 von 10 Punkten.
Unser Fazit
Das Steam Brew Imperial IPA ist vor allem deshalb interessant, weil es mit einer ziemlich verbreiteten Gleichung aufräumt: Discounter plus niedriger Preis gleich langweiliges Bier. Hier bekommt man ein kräftiges Imperial IPA mit 7,8 % vol., deutlicher Bitterkeit und einem eigenständigen Charakter. Wer ein extrem fruchtiges, modernes IPA erwartet, wird wahrscheinlich nicht vollständig abgeholt. Wer dagegen kräftige, herbere Biere mag und mit 45 IBU etwas anfangen kann, sollte das Steam Brew Imperial IPA durchaus einmal probieren. Der vielleicht wichtigste Satz aus unserer Verkostung lautet deshalb: „Der beste Wein ist immer der, der mir schmeckt.“ Für Bier gilt genau dasselbe.
Preis, Dose und Einkaufsort sagen am Ende weniger über ein Bier aus als das, was im eigenen Glas passiert.
Fakten zum Steam Brew Imperial IPA
Bier: Steam Brew Imperial IPA
Bierstil: Imperial IPA / Double IPA
Alkohol: 7,8 % vol.
Bitterkeit: 45 IBU
Farbe: dunkles Bernstein
Charakter: kräftig, herb, deutlich bitter, weniger fruchtig als von uns erwartet
Vertrieb: Lidl
Bewertung:
Alex: 8/10
Thomas: 6/10
Gesamtwertung: 7/10
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