Manche Biere kennt man, obwohl man sie kaum getrunken hat. Ur-Krostitzer gehört für uns genau in diese Kategorie. Der Name taucht immer wieder auf, wenn über ostdeutsche Biermarken gesprochen wird. Gleichzeitig sorgt er regelmäßig für Verwechslungen mit Köstritzer. Als dieses Bier bei uns auf dem Tisch landete, war deshalb vor allem eine Frage interessant:
Wie schmeckt eigentlich eine der bekanntesten Biermarken aus der ehemaligen DDR? Schon die Dose liefert Gesprächsstoff. Der markante Schwedenkönig mit Sonnenbrille, Bart und moderner Kleidung fällt sofort ins Auge. Dahinter steckt eine historische Geschichte, die tatsächlich eng mit der Brauerei verbunden ist. Der Legende nach soll der schwedische König Gustav II. Adolf während des Dreißigjährigen Krieges in Krostitz Station gemacht haben. Das dort gebraute Bier habe ihm so gut geschmeckt, dass er den Braumeister dafür belohnte. Ob die Geschichte exakt so passiert ist, lässt sich heute schwer überprüfen. Für die Markenidentität spielt sie aber bis heute eine zentrale Rolle.
Im Glas zeigt sich das Bier als klassisches, klar filtriertes Pils. Goldgelb, sauber, mit ordentlicher Schaumkrone. Keine Überraschungen. Beim ersten Schluck bestätigt sich genau das. „Fein herbes Pilsener steht da drauf. Und es ist genau das.“ Treffender lässt sich der erste Eindruck kaum beschreiben.
Ur-Krostitzer versucht nicht, modern oder außergewöhnlich zu sein. Es will ein klassisches Pils sein. Genau das liefert es auch. Positiv fällt die etwas stärkere Herbe auf. Sie unterscheidet das Bier von vielen anderen Großbrauerei-Pilsenern, die oft deutlich gefälliger und süßer ausfallen. Gleichzeitig bleibt das Bier sehr zugänglich und unkompliziert. Wer hier allerdings handwerkliche Braukunst, besondere Aromatik oder eine sensorische Überraschung erwartet, wird enttäuscht. Das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Bieres. Einerseits wirkt es ehrlich. Andererseits bleibt es geschmacklich innerhalb der Grenzen dessen, was man von einem industriell produzierten Pils erwartet. Im Verlauf der Verkostung entwickelte sich deshalb eine interessante Diskussion über Bierkultur in der DDR. Uns wurde dabei bewusst, wie wenig wir eigentlich über die damalige Brauereilandschaft wissen.
Welche Marken haben überlebt?
Welche Brauereien existieren heute noch?
Welche regionalen Spezialitäten sind nach der Wiedervereinigung verschwunden?
Das Bier selbst liefert darauf keine Antworten, stößt diese Fragen aber durchaus an. „Für mich ist es ein Pils unter vielen. Mit einer herben Note.“ Diese Einschätzung beschreibt das Ergebnis recht gut. Der Unterschied erklärt sich vor allem durch die persönliche Vorliebe für etwas herbere Pilsener. Am Ende bleibt ein solides Bier mit interessanter Geschichte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer klassische Pilsener mag und ostdeutsche Biermarken kennenlernen möchte, macht mit Ur-Krostitzer nichts falsch. Wer hingegen nach Charakter, Ecken, Kanten oder handwerklicher Individualität sucht, wird eher bei kleineren Brauereien fündig.
Unsere Bewertung
Thomas: 6/10
Alex: 7,5/10
Fazit
Ur-Krostitzer ist kein Bier, das spektakulär sein möchte. Es lebt von seiner Historie, seiner Bekanntheit und einer angenehm feinherben Trinkbarkeit. Genau dadurch funktioniert es bis heute. Die größte Stärke liegt weniger im Geschmack als in der Verbindung aus regionaler Geschichte und ostdeutscher Biertradition. Für Pils-Trinker ist es eine solide Wahl. Für Bierentdecker eher ein historischer Pflichttermin als ein sensorisches Highlight.
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